Stumm von Sam Hayes
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Stumm

von Sam Hayes

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6

STUMM

von Cendra | 15.02.2010
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1808
Cendra
Zum Buch:

Julia Marschall hat es nicht leicht: Sie lebt in Trennung von ihrem alkoholabhängigen Ehemann Murray, ihre Mutter ist aus unbekannten Gründen verstummt und ihre neue Liebe David wird eines furchtbaren Verbrechens beschuldigt: Der schweren Körperverletzung an Grace, einer Schülerin von Julia. Um die Sache noch zu verkomplizieren, soll ausgerechnet Murray Davids Verteidigung übernehmen.

Einordnung:

Heat schreibt: "Ein Page-Turner, bei dem Sie Ihren Bus verpassen." - Eine Aussage, die ich leider nicht bestätigen kann. Denn Spannung sucht man in diesem Psychothriller fast vergebens. In der ersten Hälfte des Buches fehlt sie vollkommen, einzig Marys Erzählstrang weckt ein wenig Neugier. Der ständige Perspektivwechsel nimmt aber zusätzlich Tempo aus der Story. Ständig muss man sich umstellen und auf eine andere Person, auf andere Probleme einlassen.
Die Bezeichnung Roman/Familiendrama wäre sicher passender gewesen und hätte weniger Enttäuschung bei jenen hervorgerufen, die einen klassischen Thriller erwartet haben.



Charaktere:

Julia, die Protagonistin bietet wenig Identifikationsmöglichkeiten. Sie sehnt sich nach Geborgenheit und Stabilität in ihrem derzeit ungeordneten Lebensverhältnissen. Dabei klammert sie sich ein wenig naiv an ihren neuen Lebensmittelpunkt David, den Arzt ihrer Mutter. Von Vorbehalten aus ihrem Umfeld will sie nichts wissen, verhält sich nicht selten uneinsichtig und stur. Ich hatte große Schwierigkeiten, mich in die Person einzufinden und fand sie größtenteils unsympathisch, was sicher nicht die Absicht der Autorin war.



Mary, Julias Mutter ist die eigentliche Person, bei der alle Fäden zusammenlaufen, sie ist sozusagen das Verbindungsstück zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Durch ihr Schweigen verdammt sie alle anderen zur Handlungsunfähigkeit. Mir fiel es sehr schwer, die Motivation für ihr Verhalten nachzuvollziehen. Wieso spricht sie zum Beispiel mit Grace, kommuniziert später mit Flora, aber schafft es nicht, ihre Tochter aus der unmittelbaren Gefahr zu bringen? Was hat sie sich zudem davon erwartet, sich ausgerechnet einem acht-jährigen Mädchen zu offenbaren?



Murray ist der einzige, der so etwas wie den Durchblick hat. Trotz seiner Alkoholabhängigkeit schätzt er die Lage objektiv ein, versucht sowohl auf Julia und Mary einzuwirken, als auch der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Für mich der glaubwürdigste Charakter der ganzen Geschichte, auch weil er ein wenig mehr Tiefgang als die anderen besitzt.



Kritik:

SPOILERLASTIG

Zuerst das Positive: trotzdem ich etwas anderes erwartet habe, las sich das Buch doch recht angenehm. Der Schreibstil ist flüssig und an keiner Stelle stockend. Zudem finde ich das Cover sehr gelungen.

Negativ aufgefallen ist mir besonders das „im Sande verlaufen“ einiger Handlungsstränge. Was ist beispielsweise mit der seltsamen Beziehung der Pflegekinder zueinander? Was wird aus David? Er wirkte reuevoll, aber wird er sich zu seinem alten Verbrechen bekennen um der Gerechtigkeit genüge zu tun? So hinterlässt mich das Ende in gewisser Weise unbefriedigt.
Schlecht durchdacht empfinde ich auch die Sache mit dem Brief. Will Murray wirklich gleich mit einem großen Geheimnis in seine neue Beziehung mit Julia starten? Ist diese wirklich so schwach, um an der Wahrheit zu zerbrechen? Ich finde die Sache zu einfach aufgelöst.



Fazit:



Ein Buch mit Höhen und Tiefen, man erhält Einblicke in die Abgründe der menschlichen Seele, wird mit seinen Empfindungen dazu dann aber ein wenig im Regen stehen gelassen. Schade, denn das Thema an sich ist faszinierend und man hätte eine Menge mehr daraus machen können.


Buchgesichter-Meinung:


Kommentare zur Rezension

 
Anonymous_user_medium
03.09.2010 um 09:04 Uhr

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